Job und Familie – Vereinbarkeit weiter denken

Vereinbarkeit von Familie und Beruf, ein moderner Gedanke, der
über die Kinderbetreuung hinausgedacht werden sollte. Denn auch die Pflege der
Eltern im Alter ist ein Teil vieler Familienbiografien.

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Vereinbarkeit von Beruf und Familie – Eltern und Großeltern inklusive?

Frauen und Männer, die eine erfolgreiche Karriere und ihre
Kinder unter einen Hut bekommen, davon gibt es viele schöne Beispiele – auch
wenn es noch lange nicht die Regel ist. Frauen haben nach wie vor mit
Nachteilen im Job auf Grund von Familienplanung und Mutterschaft zu kämpfen. Arbeitgeber und Unternehmen punkten mit der Vereinbarkeit und werben mit entsprechenden Unternehmenswerten. 

Die Bestrebungen hin zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf
fokussieren sich dabei meistens auf die Mütter und Väter, die eine Verantwortung für ihre Kinder tragen. Was ist aber mit den Töchtern, Söhnen und Ehepartner:innen, die sich für ihre
Eltern oder Lebensgefährten im Alter verantwortlich fühlen?

Knapp 5 Millionen Menschen im erwerbsfähigen Alter kümmern
sich um eine pflegebedürftige Person. Davon sind 2,5 Millionen
Arbeitnehmer:innen erfasst, die sich neben einer vollen Arbeitsstelle um die Pflege
von Angehörigen kümmern. 70 % Prozent davon haben Schwierigkeiten, das Kümmern
und den Job zeitlich zu stemmen. An dieser Stelle sollten Unternehmen 
hellhörig werden.

Unterstützung für Pflegende – doch was ist mit den
Kümmernden?

Unterstützungsleistungen durch Pflegekassen entlasten die
Familien monetär und sind ein wichtiger Bestandteil der informellen Pflege. Das
Beziehen solcher Leistungen ist jedoch an die Einstufung in einen Pflegegrad
der unterstützten Person geknüpft. In vielen Fällen beginnt das Kümmern jedoch
auch schon früher, z.B. als Unterstützung beim Einkauf, als Begleitung zum Arzt
oder als Erinnerungen an Medikamente. Kleinigkeiten wie diese, zusätzlich zu einer
40-Stunden Woche und dem eigenen Haushalt, können zu einer zeitlichen Herausforderung
werden.

Ein weiterer Stressfaktor sind die Sorgen und das schlechte Gewissen. Vor allem wenn sich Familienmitglieder mehr kümmern wollten als sie können. Ob Oma heute ihre Tabletten genommen hat? Fühlt sie sich einsam, seitdem Opa weg ist? Vielleicht schaue ich kurz nach ihr in der Mittagspause? Wenn sich diese Sorgen mit dem zunehmenden Alter von Familienmitgliedern häufen, kommt neben der zeitlichen Belastung auch noch eine emotionale Komponente dazu.

Genauso wie die Betreuung der Kinder ist auch die Fürsorge für die Älteren häufiger die
Aufgabe der Frauen – statistisch gesehen die der ältesten Tochter. Frauen
betreiben mehr Carearbeit neben dem Job. Die Folgen der Doppelbelastungen sind
vermehrte Krankheitstage oder gar das Ausscheiden von erfahrenem Personal.

 Was schulden wir den Eltern?

Diese Frage war vor einigen Wochen das Titelthema der Zeit. Familienbeziehungen
genauso wie eine Pflegesituation im Alter sind sehr individuell, eine pauschale
Antwort ist daher also unmöglich. Entscheidungen über das Leben im Alter sowie über
wie und ob in Bezug auf die Unterstützung der Liebsten im Alter sollen von
jedem Menschen und jeder Familie individuell getroffen werden.

Gar nichts – so eine mögliche Antwort auf die Frage, was wir
unseren Eltern schulden. Aber eben nur eine der möglichen Antworten.
Denn mit der Schuldfrage stellt sich auch die Gewissensfrage sowie die Frage
nach dem individuellen Wunsch, wie das Leben im Alter aussehen soll.

 Und, sind wir der Gesellschaft etwas schuldig?

Auch wenn die Meinung legitim ist, dass wir unseren Eltern
nichts schuldig sind, kann sie im Anbetracht des demografischen Wandels, einer
immer älter werdenden Gesellschaft sowie dem Mangel an Pflegefachkräften
hinterfragt werden. In unserer individualisierten und spezialisierten Welt
liegt es nahe, Pflegeaufgaben abzugeben um sich auf den Job, das eigene Spezialgebiet,
zu konzentrieren. Die Dysbalance zwischen pflege- oder
unterstützungsbedürftigen Menschen und professionell Pflegenden ist jedoch
immens. Trotz politischer Bestrebungen, die Versorgung sicherzustellen, sind
Kümmernde und Pflegende Angehörige ein wichtiger Bestandteil dieses ganzen
Systems. Nicht umsonst gelten Pflegende Angehörige als „Deutschland größter
Pflegedienst“.  

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